Ein kurzer Einblick in die Trainingsmethodik meiner Billardschule
Mittlerweile ist Training im Billardsport ja kein Fremdwort mehr. Es gab aber Zeiten - und das ist noch gar nicht so lange her, da wurde, auch von unseren TOP-Spielern (ob nun bewusst oder unbewusst) verbreitet, dass sie eigentlich nicht mehr trainieren, sondern nur noch Turniere spielen.
Viele Spieler haben sich davon leider inspirieren lassen und spielten fortan quasi ohne Training, nur noch Turniere... Ich denke es war der falsche Weg :-)
Mittlerweile zeigen die jungen Nachwuchstalente, wie weit man es mit gezieltem Training bringen kann. Und selbstverständlich haben ein Souquet, Ortmann, Engert, Hohmann etc. viele Jahre damit verbracht Ihr Spiel durch Training zu optimieren und Sie trainieren noch immer...
Aber mittlerweile haben wir in Deutschland viele neue Trainer und Trainerassistenten, die Ihr Wissen und Ihre Motivation weitergeben. Ein besonderer Dank geht hier in Richtung Dachau, an unseren Bundestrainer Andreas Huber. Ohne seine Bemühungen in Sachen Trainingsmethodik, Richtlinien und Ausbildungsinhalten, wären wir heute nicht da wo wir stehen.
Auch mein Training orientiert sich am TLB (Technikleitbild) der DBU. Ferner achte ich darauf Billardtraining als ganzheitliches Training zu sehen und so zu lehren.
Ich möchte Euch hier nun ein paar, aus meiner Sicht wichtige Tipps in Sachen Training auf den Weg geben. Das wichtigste gleich vorneweg! Lasst einen Trainer einmal Eure Technik begutachten. Nichts ist schlimmer, als sich einmal angewöhnte Fehler, durch Training immer weiter einzuschleifen. Training ist gut und richtig, man sollte es aber richtig machen und bei den Basics anfangen. Wendet Euch bitte an einen ausgebildeten Trainer - es gibt leider sehr viele "sendungsbewusste" Spieler, die bei allem guten Willen, letztlich nur aus Ihrer ganz persönlichen Sichtweise helfen können. Ein Trainer ist darauf ausgebildet, verschiedene Lösungswege zu kennen und zu vermitteln. Lasst Euch eventuell die Lizenz des Trainers zeigen...
Grundsätzliches
Tipp 1)
Als erstes solltet Ihr feststellen ob Ihr reproduzierbar, ohne Effet geradeaus spielen könnt. Testet das mit Bällen, die Ihr über 3-4 Tischlängen spielt. Nur mit dem Spielball, ohne zweite Kugel. Wenn Ihr das nicht oder nur ab und zu hinbekommt, müsst Ihr das üben. Dieser gerade Stoß ist eine Grundvoraussetzung um überhaupt vernünftig weiter trainieren zu können. Wenn Ihr den Stoß reproduzierbar beherrscht - Herzlichen Glückwunsch!
Tipp 2)
Teilt Euer Training in verschiedene Bereich auf
1) Stoßtechnik/Haltung
Hier übt Ihr das geradeaus Spielen, den für Euch richtigen Stand (Fegen, Pinguin I und II), die korrekte Schnabellänge und das "Durch beschleunigen" Am besten verwendet Ihr hierzu nur einen Ball. Idealerweise eine halbe Kugel oder den "Elefant Ball". Wenn Ihr diese Übung mit einem zweiten Ball Spielt den Ihr lochen wollt, wird Eure Aufmerksamkeit automatisch nur noch auf dem "lochen" liegen. Ihr werdet Eure Technik anzweifeln, obwohl der Stoß vielleicht gut war und Ihr nur falsch gezielt habt. Der Mensch ist halt so...
10-20 Minuten vor jedem Spielen sollten genügen um die Stoßtechnik zu festigen und keine neuen Fehler aufkommen zu lassen. Anfänger oder Spieler die eine komplett-Umstellung machen, benötigen natürlich mehr Zeit für diesen Bereich.
2) Stoßwirkung: Stoppball, Nachläufer, Rückläufer, Austauschball
Erklärt sich eigentlich von selbst. Macht aber erst richtig Sinn, wenn Ihr in der Lage seid geradeaus zu spielen. Fangt immer ganz einfach an und steigert dann Eure Übungen.
3) Übungen (Treffsicherheit und Position)
Jede Übung ist wertvoll! Allerdings nur, wenn sie dementsprechend gespielt und geübt wird. Es geht nicht in erster Linie darum, dass jemand eine Übung schafft, sondern dass er die Übung richtig spielt. Ihr müsste all Eure Konzentration auf die Lösung des Problems der Übung legen. Ein Gedanke an den geraden Stoß oder Euren Stand kann hier verheerend sein, weil Ihr Euch vielleicht ablenken lasst. In diesem Bereich werden Rituale gefestigt und visualisiert, also vorausschauend Billard gespielt. Das muss Euch in Fleisch und Blut übergehen.
4) Spieltraining
Im Spieltraining sollte all das angewendet werden, was Ihr vorher gelernt habt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dieses Training, am besten gegen gleich gute oder bessere Spieler, ist genauso wichtig wie die Bereiche vorher. Aber Achtung - hier wird spielen trainiert und keine Technik. Es fällt tatsächlich leichter wenn man die einzelnen Bereiche trennt. Man kann sich dann besser auf die Feinheiten Konzentrieren.
Und ein wichtiger Tipp: Spielt im Trainingsspiel keine Sätze und schreibt nicht mit. Somit gebt Ihr Euch die Chance einen Ball zu wiederholen, den Ihr vielleicht einfach unaufmerksam gespielt habt. Wenn Ihr aufschreibt oder mitzählt, habt Ihr diese Möglichkeit nicht.
5) Wettkampftraining
Jetzt ist Wettkampf angesagt! Handy und Kippen weg, das Bier bleibt im Kühlschrank aus und den Tisch abgesperrt. Jetzt ist Krieg, wie im Wettkampf ;-) Jetzt übt Ihr zu gewinnen!
Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig neue Inspiration zum trainieren vermitteln. Vielleicht sieht man sich ja in dem einen oder anderen Trainingskurs in Gera oder in Eurem Lokal.
Bis dann
Euer Tom Damm


